Virginia

Shenandoa National Park war wunderschön. Schon die Strecke zwischen Harpers Ferry und dem Park versetzte uns ins Staunen. Riesige Bäume welche fest umschlungen von Kletterpflanzen sind. Fast schon ein Urwald. Die Büsche haben riesige Blätter und immer mal wieder finden wir Früchte wie Pawpaws, Äpfel und andere exotische “Delikatessen“. Eine sehr süss duftende Frucht welche nach „vernasch mich schrie“ belehrte mich eines Besseren. Sie ist essbar, jedoch nur wenn sie genau zum richtigen Zeitpunkt gegessen wird. Anscheinend war sie nicht richtig reif und nach fünf sekunden spuckte ich sie schnell aus. Die Süsse verschwand und eine hartnäckige Bitterkeit breitete sich im Munde aus. Bäääähhh


Die amerikanische Chestnut wurde beinahe von einem Pilz ausgerottet, so kommt es, dass man diesen Baum nur ganz selten findet. Bei uns würde man Marroni sagen. Schön über dem Feuer geröstet ist sie eine leckere und nahrhafte Abwechslung zum normalen Trailessen.


Der Appalachian Trail führt fast 200km durch den Shenandoa National Parc. Die meiste Zeit wanderten wir entlang den unzähligen Bergrücken und genossen die Aussicht. Fast täglich hatten wir den Luxus uns mit einem kalten Bier oder anderen leckeren Sachen zu verwöhnen. Restaurant und Snackbuden gab es für die vielen Touristen welche den Park besuchen. So toll dies auch war, gingen uns die ganzen Tageswanderer auf die Nerven. Wir haben uns daran gewöhnt max 10 Leute pro Tag zusehen und nicht ganze Horden.


Im Geiste begleitete uns Poofy ihre Abwesenheit war aber omnipräsent. Sie war unsere wandernde Enzyklopädie. Was ist das und dies, meistens wusste sie es. Täglich telefonierten wir mit ihr und hielten sie auf dem Laufenden. Sie hatte schwer mit einer posttrail Depression zu kämpfen. Der Alltag ist Kacke!! Nach knapp drei Wochen hielt sie es nicht mehr aus. Ihre unzähligen Verletzungen waren verheilt und so war sie gerüstet es mit dem Trail wieder aufzunehmen. Juhuuu, ich habe meine beiden Mädels wieder plus Hund Luna nicht zu vergessen. 

Glasgow war eine winzige Siedlung im nirgendwo. Für uns Hiker bietete sie aber unbezahlbaren Luxus. Ein Shelter welcher vor Jahren von Pfadfindern gebaut wurde und nun von der Gemeinde verwaltet wird. Heisse Dusche, Klos, Feuerring mit jeder Menge Holz, Elektrizität und Einkaufsmöglichkeiten ganz nahe. 

Foto von broken compas

Seit Harpers Ferry ist der Trail auch wieder mit mehr auf und abs. Den Berg hochklettern nur um auf der anderen Seite wieder abzusteigen. Nach einer gefühlten Ewigkeit auch wieder mal über 4000 Feet. An einem Abend entschlossen wir uns früh zu starten und den Sonnenaufgang zu geniessen. Wunderschön und Balsam für die Seele. 

Sunrise at Priest Mountain
Der Shelter auf Priest Mountain ist das perfekte Beispiel für verrückte AT Traditionen. Das Logbuch ist voll von Geständnissen. Enige welche beichten nie ein Loch für ihren Kot zu buddeln, andere welche schneller wandern nur um ungestört mastubieren zu können und so weiter. Unterhaltung pur. Falls ihr euch wundert was ich reinschrieb, da müsst ihr schon selber zu diesem Shelter wandern.

Ein lang ersehntes Paket von meiner Mutter fand endlich den Weg zu mir. Käse und Schokolade aus der Schweiz. Klar haben die Amis auch Käse, aber nichts kommt an einen schweizer Käse heran. Vielleicht habe ich Böses getan, als ich meinen Käse mit meinen Freunden teilte. Ich brachte ihnen ein Stück Himmel, welchen sie hier wahrscheinlich nie mehr schmecken können.

Zum Schluss noch eine unerfreuliche Nachricht. Rare‘s Hund Luna, oder nach so langer gemeinsamer Zeit darf ich unser Hund sagen, darf nicht mehr weiter wandern. Luna bekam Hüftprobleme und es wäre ungesund sie weiter wandern zu lassen. 

Zuletzt noch weitere schöne Bilder unseres Abenteuers

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Immer noch am wandern 


Vor der grossen Wanderung nahm ich mir fest vor, jede Woche einen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Der Appalachian Trail hat mich fest im Griff. Zeit? Bedeutungslos! Ohne mein Smartphone wüsste ich nicht mal, welcher Monat gerade ist. Das Leben hier könnte nicht simpler sein, aufstehen, wandern, schlafen und dazwischen immer wieder essen und herrliche Konversationen geniessen. Nachrichten werden gekonnt ignoriert. Die Welt geht unter? Kein Interesse. Einzig das Wetter verfolgen wir mit Argusaugen. Hurrikan Harvey in Texas und Irma in Florida haben weitreichende Einflüsse auf ganz Amerika. Ganz speziell Irma spürten wir aus 2000km Entfernung. So ein gewaltiger Sturm saugt das ganze Wetter in sich auf, so kam es, dass wir plötzlich statt 18 Grad nur noch 8 Grad in der Nacht hatten. Erste Prognosen wiesen darauf hin, dass sich Irma bis zu uns hoch arbeitet. Nicht als Hurrikan, jedoch als tropischer Sturm. Undenkbar so zu wandern. Sturmböen und Bäume vertragen sich schlecht. Der Verein, welcher für den Appalachian Trail verantwortlich ist, sprach Warnungen aus und riet jedem, für ein paar Tage den Trail zu verlassen. Gottlob drehte der Sturm aber nach Westen ab, so dass wir höchstens ein paar Regentropfen spürten. Das Wandern ging ohne Unterbrechung weiter.

Hurrikan Irma im Grössenvergleich

Aufgeben war und ist für mich kein Thema. Klar gab es Tage an denen es mir durch den Kopf ging, aber der Gedanke verflog meistens ziemlich schnell. Traurig muss ich aber sagen, dass wir schon viele Durchwanderer an die Zivilisation verloren haben. Einigen wurde das Wandern zu öde, andere hatten schlichtweg keine Kraft mehr. Sehr schmerzlich traf uns der Abschied von Poofy. Seit Anfang an war sie fast immer an meiner Seite, über 1100Meilen. Das schweisst zusammen wie sonst nichts. Dieses Mädel ist eine Powerfrau und der Abschied kam unerwartet. Ich wusste, dass sie seit langem Schmerzen hatte beim Gehen. Sie lief, bis es nicht mehr ging. Unsere Tramily verlor ein sehr wertvolles Mitglied.

L->R Rare, Mary Poppins(ich), Poofy

 Seit Harpers Ferry besteht unsere Tramily nur noch aus Rare, ihrem Hund Luna und mir.

Aber bestimmt wollt ihr hören wo ich bin und was sonst noch geschah. Ich bin ein wenig über 1200Meilen gewandert und habe knapp 998Meilen noch vor mir. Bestimmt ist euch der Shenandoa River ein Begriff. Genau an diesem Fluss wandere ich zurzeit entlang. Wunderschöne Wälder. Grüner könnte es nicht sein. Riesige Bäume an deren Stämmen sich Kletterpflanzen empor winden. Auf den Hügeln werden die Bäume kleiner, die Schönheit bleibt aber vollends bestehen.

Morgens auf dem Bergrücken

Die Mason Dixon line trennt die USA zwischen Norden und Süden. Wir sind jetzt offiziell im Süden der USA. Sweet Tea, ein fürchterlich süsser Tee ist hier allgegenwärtig. Zigaretten sind viel billiger und auch der Dialekt hat sich verändert. Y’all statt you all ist wohl der berühmteste Unterschied. 

Dass es nicht immer reibungslos in einer Familie funktioniert ist wohl selbstverständlich. So kam es, dass ich auch mal alleine loszog. Für fünf Tage flog ich nach Florida um Mutti und ihren Verlobten zu besuchen. Wunderschön und heiss war es. Ich genoss es, aber es zog mich auch immer zurück zum appalachian Trail, er wartet um beendet zu werden. 

Ohne meine Mädels macht das wandern nur halb soviel Spass. 50Meilen waren sie mir vorraus. Schon immer wollte ich wissen, wo meine Grenze liegt und so kam es zu dieser „hold my beer and watch this“ action. Um 7:30 Morgens startete ich. Die Meilen flogen nur so dahin. Gegen Mittag erreichte mich die Nachricht, dass Poofy ihre Kreditkarte irgendwo bei der Hudson River Brücke verloren hatte. Ca 38 Meilen von meinem Startpunkt entfernt. Das schaffe ich, ich kann die Karte suchen. Erst gegen 21:00 war ich dort, also schon im Dunklen. Mit Taschenlampe bewaffnet suchte ich leider erfolglos die Karte. Anscheinend blieb mein herumgesuche nicht unbemerkt. Die Polizei kam und meinte ich sei selbstmord gefährdet und wolle von der Brücke springen. Verrückt genug so lange zu wandern bin ich, aber ewig weit entfernt von einer Brücke zu springen. Der Polizist lachte, als ich ihm alles erklärte und nach einem herrlichen Selfie liess er mich weiterziehen.


12 Meilen noch, nicht schlimm. Oh wie ich mich irrte. Der Weg davor war schon ein auf und ab und er wurde noch schlimmer. Meine Geschwindigkeit nahm kontinuierlich ab und die  Beine immer schwerer. Der letzte Berg wollte es aber wirklich wissen. Auf dem Gipfel tauchte ein Schwarzbär knapp 10 Meter vor mir auf. Sofort schlug ich meine Wanderstöcke gegeneinander und began zu bellen. Wahrscheinlich nervte ich ihn genug und er zog von dannen. Nur die Richtung in der er das tat gefiel mir nicht, da wo ich hingehen muss!! Die letzten Meilen waren Adrenalin pur. Alle paar Meter schaute ich mich um und schlug meine Stöcke gegeneinander. Zwei weitere Bären kreuzten meinen Weg und beinahe wäre ich auf eine giftige Copperhead Schlange getreten. Dazu kam noch, dass eine Spinne, der Grösse nach hätte sie bestimmt mit einem Biss mein Kopf abbeissen können, ihr Netz mitten über dem Pfad spannte. 

Überglücklich fand ich das Zelt der Mädels und überrascht begrüssten sie mich um 3 Uhr morgens. Was für ein Tag. 50.3 Meilen in 19,5 Stunden. 81km

Lange dauerte es, bis sich mein Körper entspannte und nach nur drei Stunden Schlaf sollte es weiter gehen. Mist, ich hätte echt eine längere Pause benötigt.

Am Abend zeigte mir mein Körper dann den Mittelfinger. Knie schmerzte wie Hölle, viele andere Wewehchen und fühlte mich schwach. Ganze 15000Kalorien hätte ich Essen sollen während der Mörderwanderung. Gerade mal 2000 nahm ich zu mir. Knapp eine Woche dauerte es, bis ich wieder fit war. Bereue ich es? Eventuell ein wenig, ja. Trotzdem war es hammermässig cool und zum Glück ohne bleibende Schäden. 

Ihr seht, wir AT Wanderer sind alle bisschen gaga und genau das liebe ich. 

Zuletzt noch ein paar Fotos von unserem Abenteuer 

Nach 700 Meilen endlich neue Schuhe
Southbound Wanderer Nummer 83

Ausrüstung und andere Beschwerden

In diesem Blog bringe ich euch den Alltag von uns Truhhiker ein bisschen näher. 

Eins vorweg, er ist hart, entbehrungsreich und wunderschön. Je nach Temperatur dauert es etwas länger, sich in den frühen Morgenstunden aus dem Schlafsack zu quälen. Rein in die vielleicht immer noch nassen Klamotten. Oh ja, das Gesicht zu einer Grimasse zu verziehen hilft enorm bei dieser Prozedur. So um 5:00 bis 7:00 passiert das.

Danach ist jeder unterschiedlich. Einige rennen in den Wald um sich zu erleichtern, andere machen Frühstück und die ganz harten machen beides zusammen. Gerne esse ich eine Tortilla mit Marmelade am Morgen, oder ein Milkshakepulver welches ich mit Wasser anrichte. Beinahe vergessen, bevor es was zu futtern gibt, muss man sein Essenssack erstmal holen. Bären im Zelt oder Shelter mag niemand und so hängen wir jeden Abend unser Essen über einen Ast. 

Drei Meter Höhe und ein Meter Abstand zum nächsten Baum. In diesen Sack gehört auch Zahnpasta und andere duftende Sachen.

Erleichtert und wohlgenährt packen wir unsere Habseligkeiten zusammen. 

Schlafsack 

Ich bin vor kurzem auf einen Quilt umgestiegen. Er ist fast gleich mit doch zwei grossen Unterschieden. Nach unten ist er offen, deshalb braucht man eine isolierte Luftmatratze und das zweite, man kann ihn wie eine Decke benutzen. Sehr leicht: 285g und hat ein Packmass von 1l. Er ist für 10Grad Celsius gemacht. Die amerikanische Firma Enlightened Equipment ist da mein Favorit. Sie stellen alles nach deinem Wunsch her. Super Support!


Liner 

wie Bettwäsche für den Schlafsack. Leichter Stoff in Schlafsackform. Wenn es warm ist, schlafe ich nur in ihm. 

Matratze 

Man schläft drauf, und sollte in meinem Falle isoliert sein.

Zelt

Und dann noch der ganze Rest.

Bevor wir starten, prüfen wir noch unser Trinkwasser. 95% der Hiker benutzen den Saywer Squeeze. Ein Filter. Man hat zwei Wasserbehälter, trinkwasser und dreckwasser. Nicht vertauschten! Einige behaupten, man könne alles ungefiltert trinken, aber Durchfall während einer Wanderung will niemand. Meistens geben wir noch irgend ein Geschmackstoff dazu. Wasser wird mit der Zeit öde.

Wohin, wie weit, wo Pause? Noch kurz besprechen und dann gehts los. 

Anfangs eher gemütlicher, da die Muskeln noch kalt sind. (Trotz Dehnübungen) nach ca 1 Stunde  haben wir unsere Reisegeschwindigkeit erreicht: 5-6 km pro Stunde. 7km pro Stunde ist mein Maximum, etwas schneller und ich müsste rennen.

Alle 1 1/2 Stunden gibts ne kurze Pause und Mittags natürlich etwas länger. Je nach Hunger wird da mehr oder weniger gegessen.

Das Essen auf dem Trail treibt so seine merkwürdigen Blüten. Kartoffelstock zu öde? Mixe ein paar M&Ms dazu. Tortillas sind auch fast immer dabei. Schmeisse alles drauf und mache ein Burrito daraus. Mein Favorit ist Tortilla mit Käse und Advocado. Hmmmmm Egal wie viel wir essen, es kann nie genug sein. Das wird eine grosse Herausforderung nach dem Trail, gemässigt Essen. Seit ein paar Wochen habe ich keinen Kocher mit mir. Komme so gut zurecht und solange es so heiss ist, brauche ich keine warme Mahlzeit. 

Trailmagic ist etwas Wunderbares. Menschen unterstützen uns mit kühlen Getränken und Snacks. Meistens steht an einer Strasse einfach eine Kühlbox, ganz selten gibt es Aktionen wie auf dem Bild unten. Die zwei netten Damen hatten einfach alles: Donuts, Riegel, Getränke und andere Sachen. Wow!!!

Man weiss nie was der Tag so bringt. Abends wird wieder gefuttert und viel gescherzt. Je nach Möglichkeit schlafen wir im Shelter oder im Zelt. Wenn es regnet, geht natürlich nichts über ein richtiges Dach über dem Kopf. 

Der sehr späte Blog

Sorry liebe Leser, jeden Tag wollte ich schreiben, aber ich habe hier so viel Spass und Action, dass der Blog total unterging. Je länger ich wartete, umso schlimmer wurde es. Um etwas Zeit zu sparen (und Akku) fasse ich die letzten drei Wochen zusammen. Es wird schwer, denn es passierte so viel.

Letztes mal trennte ich mich von Poofy und Squeky, was mich schwerer traf als erwartet. Zusammen mit Buck liess ich jeden Tag viele Meilen hinter mir. Aber etwas fehlte. Buck ist ein super Typ und ich vertraue ihm vollends. Wir sind auch jetzt immer mal wieder in Kontakt miteinander und ich würde ihn gerne wieder an unserer Seite haben. Es ist schön zu wissen, dass er mit anderen Freunden wandert und nicht alleine ist. Wir gingen verschiedene Wege, als ich mir einen Zerotag gönnte um meine Gedanken zu sortieren. Anfangs machte ich mir selbst eine Regel, nicht mit langsameren oder schnelleren Leuten zu wandern. Schneller dafür ernster ans Ziel zu gelangen. Oder lieber lachend und dafür etwas später. Die zweite Option sollte es sein. Squiky und Poofy! Auch sie vermissten mich schmerzlichst und übersprangen wegen mir die Strecke zwischen Rangeley und Andover. Endlich wieder zusammen und so soll es bitte auch bleiben. 


Über Berggipfel und durch Schluchten kamen wir einer der schwierigsten Sektionen immer Näher. Der Pfad war schon die ganze Zeit hart zu uns. Oft war ein Gipfel nur durch klettern und kraxeln erreichbar, nur um nachher genauso wieder herunterzukommen. Der Mahoosuc Notch war aber eine ganz andere Kategorie. Knappe 1,8km durch eine Schlucht welche mit riesigen Felsbrocken gefüllt ist. Schon der Weg dahin war schwer und in der Schlucht durften wir über unter und zwischen diesen zu gross geratenen Kieselsteinen steigen. Diese Etappe gefiel mir besonders, hier war Geschick gefragt.


Wir kamen den White Mountains immer näher. Diese Berggipfel sind beliebte Wanderziele und unter ihnen befinden sich auch die Presedentials. Berggipfel welche nach den vergangen Präsidenten benannt wurden. Squiky schwärmte schon seit Anfang an davon. Je näher wir diesem Bergmassiv kamen, um so schlimmer wurden aber seine Hüftbeschwerden. Nach zwei kleineren Gipfeln in den Whites musste er sich geschlagen geben. In seinem Gesicht zeichnete sich der ganze Schmerz und Trauer ab. Er wartete im Hostel auf Poofy und mich. Wir Slackpacken zum Mount Washington. Lassen alles ausser Essen und Trinken im Hostel und bewältigen so die Strecke und kommen dann wieder zum Hostel zurück. Oh ja, es war ein harter und wunderschöner Tag. Der Pfad war teilweise gar nicht vorhanden, man sah nur die Markierung in 20m Entfernung und lief in diese Richtung. Wobei hopsen die bessere Bezeichnung für unsere Fortbewegungsart ist. Steine Steine Steine


Mount Madison, unser erster Gipfel war atemberaubend. Das schönste Wetter und ca 150km Sicht. So macht das Wandern Spass. Ein Franzose trübte unsere Laune ein bisschen. Zu spät, wir würden es niemals bis zum Abend auf den Mount Washington schaffen. Auch in einer Berghütte hörten wir das Gleiche. Poofy kriegte es mit der Angst zu tun. Wir sind in Topform und man darf uns nicht mit Tagesausflüglern vergleichen. Schon lange rasen wir an denen nur so vorbei. ​

Und so war es auch, wir erreichten unser Ziel am Abend. 

Squiky verlässt uns. Es war ein harter Abschied und ich hatte so meine Mühe die Stimmung aufrecht zu erhalten. Er wolle zwar schnell wieder zurück kommen, Abschiede Schmerzen trotzdem. So reisen Poofy und ich weiter über die Gipfel. Immer wieder treffen wir auf altbekannte Gesichter und es wird gequasselt.


Poofy ist wieder happy, ihr Lebengefährte schnappte sich zu Hause nur ein paar wichtige Sachen und seine 15 Jährige Tochter. Diese hat gerade Sommerferien und ist froh, was zu unternehmen. Oh wie wenig sie doch weiss. Squiky fährt mit seinem Truck zu uns und wir zeigen Mamie (so heisst das kleine Kücken) was es heisst den AT zu wandern. 



Für uns war es ein 14km langer Spaziergang über einen Hügel. Für Mamie war es eine Tortur. Noch jetzt ziehen sich meine Mundwinkel nach oben, wenn ich daran denke, wie sich dieses kleine Mädel Abends am Geländer die Treppe hochzog um ins Restaurant zu gelangen. Motiviert ist sie und bei ihrem Alter gewöhnt man sich schnell daran und ihr Körper wird schneller fit. Ihr Papa fährt uns hinterher und immer wenn sich unsere Wege kreuzen, bekommen wir kühle Getränke. 

Mamie früh morgens

Wir sind aus den Bergen! Über 400Meilen. Wir haben 80% der schwierigsten Strecken vom ganzen Trail gemeistert. Mamie ist nicht immer bei uns, lange und schwere Strecken lässt sie noch bleiben, dafür gehört Rare nun fest zu uns. Super Mädel und immer an ihrer Seite ist Luna, ihre treue Hündin.
Rare arbeitet für ihr Bett in Hanover

So sieht der Pfad aus und es gibt nur noch hin und wieder ein Berg. Wunderschön. 


Als ich mal Mamie half muss ich mir eine Zerrung zugezogen haben, genannt Shin Splint. Heute wird geruht und das Bein hochgelagert und getapt. Und ja, mein Bein habe ich rasiert wegen dem Tape. Ich kann euch aber versichern, dass ich es so männlich wie möglich gemacht habe: mit dem Rasiermesser im Bach.


Wir wandern weiter und ich werde jetzt wieder fleissiger schreiben. Im Anschluss noch ein paar weitere Bilder zum Schmunzeln und geniessen.

Goodbyes and hellos

Tag 16

Der Wetterbericht für heute: Regen

Der erste Tag an dem wir uns an einen Termin halten. Gleich ausserhalb der Stadt gab es einen breiten Fluss und die Fährmann arbeitet nur von 9-11 Uhr. Es ist ein kostenloser Service des ATvereins. Immer zwei Personen gleichzeitig bringt er über den Fluss. Eine wacklige und nasse Angelegenheit in dem Kanu. Glücklicherweise ist keiner gekentert. 



Mein Regenschirm hielt was er versprach. Die Schuhe waren zwar trotzdem nass und die Kleidung wurde mit der Zeit klamm, aber im Grossen und Ganzen war ich zufrieden. Wenn es wie aus Eimern giesst, hilft alles nichts. Entweder man wird nass vom Regen oder vom Schweiss. Bisher hatten wir riesiges Glück mit dem Regen, nur einmal hatte es kurz geregnet, das ist schon fast Dürre im Staate Maine. Squeegi kämpfte sich mit seiner ständig anlaufenden Brille ab und bei Poofey waren es Magenkrämpfe. So entschlossen Buc, ich, Squeegi und Poofey, einen Nearo einzulegen. Nur ganz wenig zu laufen. 6.5km bis zum ersten Shelter. Dort angekommen suchten auch schon andere Unterschlupf. Scout, der ältere Herr den wir von Monson her kannten, beschrieb uns als nasse Mäuse, welche sich versuchen im Shelter zu trocknen. 


Die meisten zogen gegen Nachmittag weiter, so dass wir den Shelter für uns hatten. Er lag an einem wunderschönen See und bei gutem Wetter wäre er bestimmt einer meiner Favoriten geworden. Der Regen wich gegen Abend einem leichten Nieseln. Mir war langweilig und so stellte ich mir selber eine Herausforderung. Feuer machen! Irgendwie glaubte ich nicht wirklich daran, es zu schaffen, aber es war eine Beschäftigung. Nach ca einer Stunde hatte ich es tatsächlich geschafft aus triefend nassem Holz ein Feuer zu entfachen und es brannte bis spät Abends. 

Im am the fucking god of fire!! Voller Stolz. Meine nächste selbst auferlegte Aufgabe war es, die Eichhörnchen zu verscheuchen. Ganze sechs Stück waren unter dem Shelter am rumtoben und hatten dort eine wilde Orgie. Poofey meinte nur, wenn ich eines erwische und töte, dann koche sie es. Und das könnt ihr mir glauben, sie würde es tun. Eichhörnchen sind hier eine Plage. Von Wanderern angefüttert vermehren sie sich und Fressen sich in der Nacht durch deinen Rucksack.
Tag 17

Der Morgen war mystisch. Statt denn See, sahen wir nur eine weisse Wand zwischen den Bäumen. Der Nebel verschwand leider, bevor ich ein Foto davon machen konnte. Gestern wurde gefaulenzt, heute wird gewandert! 28.5km bis zum übernächsten Shelter. Die ersten 16km waren super, schöner Pfad und fast keine Steigung. Als wir durch ein Sumpfgebiet liefen, waren die Mücken fast unerträglich. Normalerweise können wir unbesorgt laufen und die Biester kommen erst, wenn wir stehen bleiben. Aber diese Mutantenmücken waren furchtbar.


 Dank des flachen Geländes konnten wir auch das Tempo erhöhen und waren nach wenigen Stunden schon im Shelter um unser Mitagessen zu geniessen. Einzig Poofey und Squeegi fehlten. Langsam machte ich mir Sorgen. Gute zwei Stunden später trafen sie dann zum Glück ein, also nahm ich den zweiten Teil der Strecke in Angriff. Irgend ein Wanderer hatte wohl zu viel mitgeschleppt und sich des Übergewichtes unterwegs entledigt. Ich entdeckte eine Hängematte, Kochgeschirr und mehr. Idioten!

War ein sehr schöner Tag aber endlich kam ich am Shelter an. Neben dem Shelter war ein Bach in dem ich ein Bad nahm. Eiskalt aber so erfrischend. 


Nach Stunden immer noch kein Zeichen von Poofey und Squeegi. Voller Sorgen und Unbehagen ging ich zu Bette. Hätte man doch bloss Handyempfang. 

Tag 18

Niedergeschlagen startete ich den Morgen. Um 9:00 Uhr endlich ein bisschen Handyempfang und eine Nachricht von den verlorenen Schäfchen. Squeegi verbrannte sich den Fuss mit kochendem Wasser und Poofey hatte die Füsse voller Blasen wegen den nassen Schuhen. Sie müssen pausieren. Kräfte sammeln, aufraffen und los, Mount Bigalow wartet auf mich. Ein schwerer und steiler Aufstieg und dazu eine Strecke von 24.5km. Während dem Aufstieg gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Schweissgebadet kam ich oben an und war überwältigt. Genau was ich brauchte, ein frischer Wind und das Wissen, dass das schwerste Stück vom Tag hinter mir liegt. Der Gipfel liegt zwar im Nebel, ist aber trotzdem wunderschön. Powerriegel essen, kurz rasten und geniessen. Hin und wieder riss der Wind ein Loch in den Nebel und offenbarte eine wunderschöne Aussicht.


Mittlerweile hatte ich Beast überholt. Ich hatte meine Motivation wieder gefunden und die Kilometer wurden wieder einfacher.

An einem weiteren Shelter machte ich kurz Rast, fühlte mich super, so entschloss ich, weiter zu wandern. Ohne Beast, er war müde und wollte keinen Schritt mehr gehen. Läppische 7km den Berg runter dann bin ich wieder in einer Stadt. Keine zwei Minuten musste ich an der Strasse warten und schon nahm mich ein freundlicher Fahrer mit. Vor dem Hostel die fröhliche Wiedervereinigung. Poofey und Squeegi waren da und begrüssten mich herzlichst. Beinahe verlor ich ein paar Freudentränen. Meine Freunde und Tramily!!! So beendet man den Tag gerne. Mit super Menschen, Essen und einem Bett!

Tag 19

Faulenzen, Essen, trinken und geniessen, mehr nicht.


Wir werden sogar nach Rangley gefahren, damit wir Essen kaufen konnten. Es fühlte sich aber komisch an. Wir sollten noch nicht hier sein, wir haben noch nicht genug Meilen für diese Stadt. Im Hostel ist mittlerweile auch Beast eingetroffen. Geniessen!!

Tag 20

Eigentlich sollte unsere Truppe nun wieder vereint sein, doch das Schicksal hält eine Überraschung für mich bereit. Beast will sich noch einen Tag länger erholen und auch Squeegi und Poofey brauchen noch mehr Zeit. Sie entschlossen dies erst 5min vor dem Aufbrechen. Wir verabschiedeten uns und ich sass im Auto als mich der Hammer traf. Wahrscheinlich werde ich sie für eine Weile nicht mehr sehen. Der Tag würde kommen, das wusste ich, trotzdem war ich den Tränen nahe. Seit Tag eins waren wir zusammen und teilten alles. Nur noch Buc und ich, ein kleiner Teil von unserer Tramily!

Life goes on. 

21km über 2 Gipfel. Zum Glück begleitete uns noch eine Mutter mit 3 hübschen vor Lebensfreude protzenden Töchter. Gnome, eine der Töchter wollte auch nach Georgia und der Rest ihrer Familie begleitet sie ca für ein Monat. 


Das wandern fiel mir leicht, mittlerweile bin ich viel fitter als am Anfang. Problemlos erreichten wir das heutige Ziel. Über 200 Meilen liegen schon hinter uns!!


Tag 21

Der gestrige Tag hatte auch was Gutes an sich. Buc und ich sind etwa gleich fit und so können wir weiter pro Tag wandern. Saddleback Mountain erwartet uns und evt einige nackte Wanderer. Schliesslich ist heute Nacktwandertag. Auf dem ersten Gipfel ziehen auch wir blank und so entstand dieses Foto.


Eisiger Wind verhinderte aber, dass wir weiter nackig wanderten. Man musste sich richtig gegen den Wind stemmen. Die Strecke heute war  27km lang und eine der schönsten, wenn auch sehr anstrengend. Bei einem der Aufstiege regnete es und ausser den Regenschutz für den Rucksack hatten wir nichts, zu faul für weitere Sachen anzuziehen oder für meinen Regenschirm. Super, der Regen kühlte uns während dem Aufstieg und die Kleider trocknen schnell.


Das 360Grad Panorama pushte mich auf Höchstform. Rund herum nur Wälder. 


Oh ja, ich hatte meinen Abschied verkraftet, auch wenn ich gerne alle nochmals knuddeln möchte und nach der Wanderung ein letztes mal sehen will.

Zeroday in Monson und weiter

Wir alle genossen unser freien Tag in Monson. Der erste Abend war pure Magie. Das Essen im Restaurant schmeckte unfassbar gut. Endlich wieder mal richtiges Essen. Ich hatte 2 Corona Bier und noch nie genoss ich ein Bier so wie diese zwei. Während wir auf das Essen warten mussten, sprangen wir noch schnell in den See um eine Runde Blödsinn zu treiben. Aus dem Wasser direkt an den Esstisch, was wünscht man sich mehr. 


Zurück in unserem Hostel wurde noch bis tief in die Nacht gefeiert. Da viele Instrumente rumstanden, schnappte ich mir das Didgeridoo und gab mein Bestes damit. Es ist ein einfaches Instrument der Aborigines. Ein von Termiten ausgehöhlter Eucalyptusstamm in welchen man reinpustet und wundersame Töne hervorbringt. Auch meine Maultrommel faszinierte alle. 


Tag 12

Morgens gab es leckeres Frühstück. 


Pfannkuchen, Kartoffeln, Eier und Speck. Alles triefend vor Fett natürlich.


Danach habe ich meine Ausrüstung kontrolliert und ausgemistet. Meine schöne Kamera und paar andere Kleinigkeiten schickte ich zurück in die Schweiz. Die Kamera wurde einfach zu wenig gebraucht und jedes Gramm zählt wenn man es immer mitschleppen muss. Am nötigsten hatte es Rapunzel. Sieben Kilogramm wurden ihr abgenommen, Anderes ersetzt. Der Besitzer von dem Hostel hatte ihr viel geholfen und aus dem hauseigenen Shop Sachen verkauft. 

Jetzt begann der Spass wieder. Alle zusammen gingen im See baden. Nur sein und rumalbern. Essen gehen, Süssigkeiten essen und Bier trinken. Neue Wanderer treffen ständig ein und so treffen wir auch immer wieder auf alte Bekannte. Man begrüsst sich, als ob man sich schon ewig kennen würde. Mitternachts wollte ich eigentlich ins Bett, da traf Scout ein. Ein älterer Herr, der schon zum dritten mal den AT durchwandert. Er schnappte sich die Gitarre und wir lauschten seinen Liedern. Poufey sang dabei und ich war überrascht wie schön ihre Stimme ist. 


Tag 13

Morgens gab es wieder Frühstück und dann begann das lange warten. Squeegi hatte eine Schiene für sein Fussgelenk bestellt und diese sollte bis zum Mittag eintreffen. Um 13:30 beschlossen wir, ohne diese weiter zu wandern. Der Besitzer vom Hostel bot an, sie am nächsten Tag zu bringen. Der Weg kreuzte eine Waldstrasse, der ideale Übergabepunkt. 

Rapunzel bleibt im Hostel, ein Zeh am Fuss entzündete sich und sie geht erst zum Doktor damit.

Die ersten Kilometer auf dem Trail waren merkwürdig. War das alles echt? Waren wir wirklich im Hostel oder war das alles nur ein Traum? Es muss wahr gewesen sein, denn unsere Bäuche waren immer noch voll. Da wir so spät starteten schafften wir nur 16km. Der Weg war fast eben und herrlich zum gehen. Immer einem Fluss entlang. Mir wurde gezeigt was Poison Ivy ist. Ein giftiges Gewächs. Vor allem für Frauen gefährlich wenn sie sich erleichtern wollen. Es löst heftigen Juckreiz aus. Vor dem Zeug werde ich mich in Acht nehmen. 

Horseshoe valley hiess der Shelter in dem wir übernachteten. Dort trafen wir auf Shaman. Er hat sein Ziel schon fast erreicht, denn er startete in Georgia.  Es gibt ein Spiel auf dem Trail, Obdachloser, oder Wanderer. Wer ist was. Shaman wäre ohne sein riesiger Rucksack ganz klar das Erstere. Cooler Typ.


Tag 14

Das Ziel für heute: 21km über den Moxie bald Mountain. Wie immer starten wir erst langsam, die Muskeln und Gelenke müssen erstmal wieder warm werden. Bis um 9:00 Uhr müssen wir 7.5km weit kommen, denn dort treffen wir jemand, welcher uns die Fussstütze bringt. Eine gar nicht so einfache logistische Aufgabe. Nach ein bisschen hin und her, klappte alles. Squeegi ist happy und kann nun endlich wieder flotter gehen, ganz ohne Schmerzen. Der Aufstieg war eine echte Überraschung für mich. Er war zwar streng und brachte mich sehr ins Schwitzen, trotzdem fühlte ich mich super als ich oben ankam.  Die obere Hälfte des Aufstiegs gefiel mir besonders. Vielerorts ging man direkt auf dem Felsen und es wehte ein kühles Lüftchen.


Der Gipfel wurde sofort von mir in Besitz genommen. Für was habe ich denn sonst meine schweizer Flagge dabei. 



Der Abstieg war steil. Wie wir später erfuhren, stürzte Buc ziemlich heftig auf dieser Strecke. Er wartet in der nächsten Stadt auf uns und erholt sich davon. Der Berg bietet aber auch eine andere Sehenswürdigkeit. Es ist eine Art überhängendes Steindach. 

Gleich nach dem Abstieg erwartete uns schon der Shelter. Wie fast jeden Abend, habe ich noch jede Menge Energie übrig. Feuer machen, Wasser holen und sonst irgendwie kreativ wirken. Wunderschöner Tag gewesen und Abends am Feuer hatte ich und Poufey ein tolles tiefsinniges Gespräch. Natürlich werde ich hier nix davon verraten, nur eines: Das Mädel hat meinen Respekt und Hochachtung.

Tag 15

Unsere nächste Stadt wird Karatunc sein. Wobei es eher eine Strasse mit paar Häuschen ist. Nur 21km und wir können uns im Pool entspannen und Milkshakes trinken. Speziell die Milkshakes wurden immer wieder erwähnt. „Get a Milkshake“. Wie könnte es anders sein, zwischen Stadt und uns stand ein Berg, wäre ja sonst zu einfach gewesen. Die ersten Stunden laufen wir auf Laub und es ist richtig entspannend, mal nicht von Wurzel zu Wurzel hüpfen zu müssen. 

Ich merke schnell, heute bin ich nicht in Topform und bin richtig froh endlich den Gipfel erreicht zu haben. 

Beim Lunch besucht uns noch ein Chipmunk. Streifenhörnchen. Sie sind süss, werden aber schnell lästig. Also am besten gleich verscheuchen.

Karatunc ist erreicht und wir sitzen alle vor dem Haus und schlürfen genüsslich unsere Milkshakes. Sie waren köstlich. Buc hat ein Zimmer gemietet und so zwängen wir uns zu fünft da rein. Abendessen war lecker, so auch das Bier. Es wird in der hauseigenen Brauerei gebraut. Der Pool war ein bisschen zu voll. Vor allem mit 16-17jährigen Studentinnen. Gefährlich. Ausgehungerte Hiker und halbnackte Mädels. Poufey passt aber auf ihre Pappenheimer auf, es soll ja niemand ins Gefängnis kommen. Ab ins Bett.

Mount Kathadin

Nach einer erholsamem Nacht in der AT lodge wurden ich zusammen mit acht weiteren Hikern in den Baxter State Park gefahren. Die meiste Zeit von der einstündigen Fahrt, gab uns unser Fahrer Ole Man Tips. Wie zB, es gibt hier auch Stachelschweine und die lieben unsere Schuhe, deshalb müssen sie immer in Sicherheit gebracht werden, da man sonst Barfuss weiter gehen darf. Am Camping wurden wir schon freundlichst von den Rangern und von vielen fliegenden Blutsaugern begrüsst. Registration ausgefüllt und schon ging es los. Mit einem kleinen Rucksack, Wasser, Regenschirm und Snacks beladen ging ich Richtung Mount Kathadin. 1300m auf ca 6km hiess es zu bewältigen. Zum Glück zeigte sich das Wetter von der schönen Seite, 20Grad und immer mal wieder Sonnenschein. Der Aufstieg war wunderschön, aber das Härteste was ich bisher erlebt hab. 


Kathadin is a Bitch. Das konnte jeder bestätigen. Schon vor der Baumgrenze mussten wir über 1m hohe Felsen klettern entlang einem schmalen Weg, welcher zugleich auch ein Bächlein war. Nach der Baumgrenze kam ein Stück bei dem Klettern Pflicht war. Auf allen vieren kamen wir oben an, nur um zu erfahren, dass das erst ein Vorgeschmack für den echten Aufstieg war. Kein klarer Weg ersichtlich, nur hin und wieder eine Markierung. 200m fast senkrecht hoch. Ich war nur froh, dass ich gut klettern kann. Ausser Atem kam ich endlich oben an. Weiter gehts über ein Hochplateau. 


Dort traf ich auf Anna und ihren Mann. Mit ihnen hätte ich ursprünglich meine Reise antreten sollen. Beide waren mir auf Anhieb sympathisch. Sie kamen aus Kentucky und hatten letzte Nacht eine 36 stündige Busfahrt hinter sich. Angesicht dessen, dass wir endlich loswandern durften, war bei allen der vergangene Ärger verflogen. Auf dem Plateau gab es viele viele Felsbrocken und dank dem Moos, schimmerten sie alle ganz surreal in grün. Das verleihte dem Ganzen ein fast mystisches Erscheinen. Nicht mehr weit, gleich da.

We made it!!!! Wir haben den Gipfel erreicht.


Voller Stolz lassen wir uns alle an der Tafel fotografieren. Appalachian Trail  Springer Mountain Georgia 2189 Miles. Von hier sind es 3522 km bis zum anderen Ende des AT. Die Aussicht ist eine Wucht! Nur Natur so weit das Auge reicht. Vier Stunden dauerte der Aufstieg. Nach einer längeren Pause nahm ich den Abstieg in Angriff. Ich war froh als ich die Baumgrenze erreichte, denn ein Unwetter kündigte sich an. Es liess auch nicht lange auf sich warten und begann erst mit reichlich Regen und bombadierte uns dann mit 1cm grossen Hagelkörnern. Zum Glück hatte ich meinen Regenschirm dabei. Das Ding war der Hammer. Relativ trocken und geschützt vor dem Hagel konnte ich den Abstieg auf dem glitschigen Pfad fortführen. Nach 2 1/2 Stunden war ich froh den Zeltplatz zu sehen. Jetzt hiess es Wunden lecken. Ausser einer kleinen Schürfwunde war ich unversehrt. Langsam trudelt auch der Rest der Hiker ein. Alle mit lachenden Gesichtern und happy, dass Mount Kathadin hinter ihnen liegt.

Ein toller Abend beginnt. Wir alle versammeln uns am Bach, lernen uns kennen und tauschen Geschichten aus. 


Da ich mit sowas gerechnet hatte, nahm ich extra Schokolade mit. Andere brachten Tequilla und Snacks. Wanderer spannen zusammen, das merkt man schnell. An dem Abend lernte ich Anna und ihren Mann noch besser kennen und schloss sie schon ins Herz. Zelt steht, wünsche gute Nacht.

Tag 2

In den frühen Morgenstunden traf ich noch letzte Vorbereitungen wie Zelt abbauen und Gewicht im Rucksack richtig verteilen. Schweres sollte eher unten und nah am Rücken getragen werden. Während ich noch mein Müsli genossen habe, brach Anna schon auf. Eine Stunde später heftete ich mich an ihre Fersen. Der Wanderweg erinnerte stark an Finnland. Viel Moos, Birken und kleine Sträucher umgeben den Pfad. Hin und wieder lagen riesige Felsblöcke herum. Das Gelände war relativ flach und so kam ich gut voran. Bald schon hatte ich die anderen eingeholt. 


 Es enstand da schon der erste Trailname. Das ist ein Name, den man während seiner Wanderung behält. Meistens entsteht er, wenn man was Dämliches gemacht hat, oder spezielle Eigenschaften hat. Annas Mann trug eine Kniestütze, welche bei jedem Schritt quietsche. Mit seinem Einverständnis trägt er ab jetzt den Namen Squeegi. Mein Name ist in der mache, es gab schon paar Vorschläge, aber keiner passte bisher so richtig. 16km sollten es an diesem Tag werden und wir machen spontan halt bei dem letzten Campingplatz und Geschäft vor der 100Miles Wilderness. Das sind 160km Wildnis, keine Einkausmöglichkeit und nix. Doch an diesem Abend beschäftigt uns das nicht. Jetzt wird unser Aufeinandertreffen gefeiert. Squeegi kauft eine Flasche Bourbon und es wird bis tief in die Nacht gescherzt und gelacht.  An dem Abend hagelte es nur so mit Trailnamen. Anna heisst jetzt Puufey. Ihr kurzes Haar wird immer so voluminös, eben puufey. Das Mädchen mit den langen blonden Haaren nennt sich jetzt Rapunzel. Sogar für mich wurde ein Namen gefunden. Irgendetwas durchgeknalltes natürlich. Mein Regenschirm erweiste mir bisher gute Dienste und ich schwärmte auch viel davon. Dazu liebe ich Poptarts. Eine Art Knäckebrot mit Zuckerglasur und Fruchtfüllung. 440kcal, zu Hause würde ich wie ein Hefekuchen aufgehen, aber auf dem Trail kann es gar nicht zuviel sein. Eine Mischung aus Mary Poppins und Poptarts, Poppers eventuell? Nachdem ich ihnen ein Video von Marie Poppins welche Metalmusik singt war es klar: MARY POPPINS!! So heisse ich ab jetzt. Trotz anfänglicher Skepsis, fing mir  der Name immer mehr zu gefallen. Er bringt die Leute zum lachen, das doch etwas schönes. Das ich an dem Tag noch hüfttief im Wasser stand um ein Fluss zu überqueren, lassen wir mal beiseite. Es trocknet ja alles wieder und mein Rucksack ist gut verpackt, da wird nix nass.

Mary Poppins, Rapunzel, Squeegi und Poufey

Tag 3

Echtes Frühstück mit Pfannkuchen und Toast gab es an dem Morgen, dazu eine heisse Dusche. Wundervoller Weg den Tag zu starten. 19 Kilometer sind geplant. Zu einem schönen Zeltplatz am Rainbowsee. Die 100 Meilen Wildnis beginnen. 


Morgens treffen wir auf Bugman, dieser arme Kerl hat etwas an sich, was Mücken und Blackflies anzieht. Bewaffnet mit Mückennetzläuft er den AT und auf Schritt und Tritt folgt ihm ein riesiger Insektenschwarm. Mückenschutz kann er nicht benutzen, da er darauf allergisch ist


Das Gelände ist sehr steil an diesem Tag und schon bald wird mein schlimmster Alptraum Realität. Mein Knie fühlt sich an, als ob man ein metallenes Messer bis zum Glühen erhitzt und dann seitlich reinrammt. Ist es das jetzt gewesen? Ich falle zurück, da ich das Gelenk kaum bewegen kann. Rapunzel lief mit mir zum geplanten Zeltplatz. Sie war froh mal langsamer voranzukommen. Das arme Ding trägt ein viel zu schweren Rucksack und hat dazu noch Asthma. War es das jetzt? Was mache ich nun? Solche Gedanken kreisen herum. Der Schmerz kam plötzlich und unerwartet, genau so schnell verschwand er wieder. Ich rüttelte ein wenig an der Kniescheibe rum und schien dadurch etwas repariert zu haben. Ich fühle mich wie ein junges Hündchen. Fast Schmerzfrei kehrt auch sofort meine Energie wieder zurück. Sehr zum übel von Rapunzel, denn das Tempo stieg schlagartig an. Kurz darauf treffen wir am Zeltplatz ein. Meine Tramily ( Familie auf dem Trail) war da und total gestaucht. Das war zuviel für sie. Man kann in Kentucky zwar gut wandern, aber Berge gibt es dort nicht, so waren sie schlecht auf das Rauf Runter von Heute vorbereitet. Erst 17:00 und ich sprühe vor Energie.  Ich wandere das erste mal alleine weiter, ganze 5km um genau zu sein, hier gibt es einen Unterstand an einem Bach welcher sich durch eine Schlucht schlängelt. Noch über eine glitschige Holzplanke getänzelt und schon bin ich da. Leider ist das Knie unterwegs wieder schlimmer geworden. Somit ist meine gute Laune auch wieder verschwunden. Den Shelter habe ich für mich alleine. Drei andere Wanderer haben ihr Zelt weiter hinten aufgestellt. Das Essen schmeckt nicht wirklich und so lege ich mich früh schlafen. Selbstzweifel nagen an mir.

Tag 4

Nach dem Frühstück und dem Zusammenpacken treffen auch schon meine Freunde ein. Auch sie sehen nicht gerade wie das blühende Leben aus und haben sich entschlossen heute nicht mehr weiter zu wandern. Die Energie fehlt einfach. Ich schliesse mich ihnen an. Hätte nie gedacht schon so früh einen Zero einzulegen. So bezeichnet man einen Tag, an dem nicht gewandert wird, nur ausruhen und Wunden lecken. Weitere Hiker treffen ein und bald schon startet eine fröhliche Runde. Ingesamt sind wir nun 12 Personen. Darunter Buc, ein ehemaliger Marine aus Texas. Er ist der Typ Mann, welchem man sofort vertraut. Oldtimer und Red Beard gehören zu der älteren Garde. Red Beard feiert bald seinen 80igsten Geburtstag und Oldtimer ist um die 65 Jahre alt. Unglaublich die beiden. An dem Tag gibt es das erste Päärchen. Beast, ein grosser kräftig gebauter Kerl spannt mit unserer Rapunzel zusammen. Cooler Tag mit jeder Menge Lacher. Tat uns allen gut.


Tag 5

Um 6:00 wandern Puufey und Squeegi schon los während ich erst noch frühstücke. Danach schliesse ich mich Buc an. Mein Knie scheint in Ordnung zu sein, aber bin trotzdem sehr skeptisch. Der Schmerz könnte ja plötzlich wieder da sein. Wir kommen gut voran und haben beide den gleichen Schritt. Es geht einen Bach entlang und später einen kleinen Berg hoch. Nach 12km treffen wir auf meine zwei weiteren Freunde. Sie rasten bei einem Shelter und auch wir könnten eine Pause vertragen um etwas zu Essen. 


Da es allen super geht, beschliessen wir weitere 8km zu gehen. Buc, Squeegi, Puufey und Mary Poppins. Der Hikerzug rollt. Zu viert wandern hat seine Vorteile. Wenn einer in der Gruppe nicht mehr so mag, wird er automatisch von den Anderen wieder aufgebaut und mitgezogen. Unterwegs erfahren wir von einem Hostel Namens White House Landing. Burgers, Pizza, warme Duschen. Beflügelt von diesen schönen Gedanken rennen wir fast dahin. An einem Bootsteg sollten wir dann dem Besitzer Bescheid geben. Zum glück hat einer von uns dort Handyempfang. Während wir auf das Boot warten, werden wir an diesem wunderschönen See fast von Mücken gefressen. 


Es erwartet uns ein älterer Herr mit weissem Bart und seine Frau. Das Haus liegt absolut im Nirgendwo. Hinter dem Haus nur Wald und davor ein riesiger See. Strom gibt es nicht, alles wird mit Gas betrieben. Wir gehen alle Duschen und waschen unsere Kleider am See. Danach erwartet uns ein leckeres Abendessen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Die Betreiber führen das Hostel mit viel Herz, das merkt man sofort. Sie lieben es Gäste zu haben und hungrige Wanderer zu verköstigen. Mit gesättigten Mägen feuern wir den alten Holzofen an und sitzen noch lange auf den Sofas, welche drum herum positioniert sind. Wie immer werden Geschichten ausgetauscht. Mein Knie gab kein Mucks von sich. Schmerzfrei!!!!


Tag 6

Nach einer erholsamen Nacht gibt es noch ein grosses Frühstück und Tips bevor wir wieder in die Wildnis entlassen werden. Der Weg ist flach und wir kommen super voran. 24km machen wir an dem Tag. Wir merken, wie wir langsam ausdauernder werden und unsere Beine kräftiger. Der Weg führt uns durch traumhafte Wälder. Es sieht aus, als ob es schneien würde. Von den Bäumen fallen Samen verpackt in ganz seidiger Watte herunter.


 Mit jedem Schritt wirbeln wir davon welche wieder hoch. Der Shelter ist in Sicht, direkt daneben ein Fluss in welchem sich ein natürlicher Pool gebildet hat. Klamotten ausgezogen und rein in das ca 16 Grad kalte Nass. Meine Tramily bezeichen mich scherzhaft als „crazy foreign friend“ verrückter ausländischer Freund. Wie jeden Abend wird Essen gekocht, zusammen gequatscht und Trinkwasser gefiltert. Das geht ganz einfach. Man füllt in eine Flasche das Flusswasser und schraubt den Filter drauf. Danach drückt man die Flasche und lässt so das gefilterte Wasser in den zweiten Trinkbeutel fliessen. Durchfall vom Wasser will schliesslich niemand bekommen. Überrascht war ich, dass sich so viele Leute sich nach meinem Knie erkundigten. Mittlerweile sind wir ca 10 Leute welche zwar nicht zusammen wandern, sich aber spätestens im Shelter wieder sehen. Eigentlich wollte ich nie mit so vielen Wanderern zusammen sein, aber ich nehme alles zurück. Alle für Einen, Einer für alle, so das Motto hier. 


Um 20:00 ist meistens Ruhe, jeder kuschelt sich in seinen Schlafsack. Zwar habe ich dicht neben mir Personen, aber das macht mir überhaupt nichts aus, es sind Freunde.

Tag 7

6:00 morgens sind alle am aufwachen und Rucksäcke packen. Einige essen noch Frühstück, dazu gehöre auch ich. Ohne mein Müsli läuft nichts. Heute wird ein harter Tag, das ist jedem bewusst. Ein Hügel und ein halber Berg stehen auf dem Plan. Einmal 370m Höhenunterschied rauf und wieder runter, danach nochmals 400m rauf. Der Shelter befindet sich auf halber Höhe zum Gipfel. Ingesamt sind wir 19km gelaufen.  Lange her dass ich so geschwitzt habe. Zum Glück hatte ich immer genug Wasser mit mir. Auf dem Hügel wurden wir fast von Blackflies gefressen. Die sind hier überall. Sie werden auch Defenders of the Wildernes genannt. Verteidiger der Wildnis. Ohne Kopfnetz und Mückenspray geht hier nichts. Mittlerweile bin ich trotzdem so verstochen. Stiche überall! 
Pace ist hier wichtig beim gehen. Finde deine Geschwindigkeit. So kam ich relativ gut voran. Das schönste ist aber immer noch den Shelter zu sehen. Endlich relaxen. Die bequemen Schuhe anziehen und Essen zubereiten. Am shelter traffen wir wieder auf bekannte Gesichter und schon gehen die Geschichten wieder los und man lacht zusammen. Spät Abends traf auch ein Nobo Namens Alpine ein. Ein Strich in der Landschaft und noch ganz jung. Er startete im Februar in Georgia und hat jetzt schon fast den ganzen AT hinter sich. Er erzählt uns von einem Kerl, welcher die Tollwut bekam. Als er zeltete, kam ein Stachelschwein und drückte sich an sein Zelt. Es war saukalt und er hatte Mitleid. So liess er es in sein Vorzelt und da kratzte es ihn. Man sollte besser nicht mit wilden Tieren kuscheln.

Ein Kerl war in den White Mountains im Schnee eingebrochen und musste 1Tag da ausharren. Zum Glück konnte er warme Sachen aus dem Schlafsack greifen, so überstand er es ohne Folgen. 

Tag 8

Was für ein Morgen. Heute besteigen wir den White Cap Mountain und seine drei kleineren Geschwister. Viele Höhenmeter galt es zu bewältigen. Sehr schwerer Start. Direkt nach dem Shelter gings bergauf. Kein Einlaufen, nix. Der Weg war steinig und nicht selten waren 50cm hohe Steinstufen hochzusteigen. Eine Schlange sonnte sich in der Morgensonne und liess mich schöne Fotos von ihr machen. 

Foto folgt noch
Beim Aufstieg fragte ich mich mehrmals, wieso tue ich mir das an? Oben angekommen bekam ich die Antwort. Diese Aussicht ist unbezahlbar. Wildnis wohin das reicht. 


Grüne Wälder und dazwischen ein paar Seen. Jeder von uns ist überwältigt. Endlich ein Handysignal. Schnell ein Lebenszeichen von mir geben bevor es wieder weg ist.  Der Abstieg beginnt und ein Aufstieg und wieder und wieder. Das ist die ultimative Prüfung für meine Knie. Keine Schmerzen nix, ich bin so glücklich. 

Finde den Weg

Obwohl wir überall Elchhäufchen sehen, kriegen wir keines dieser grossen Tiere zu Gesicht.

Steiler Abstieg und wir erreichen wieder einen Shelter. Unterwegs stürzte Squeegi und verstauchte sich den Knöchel. Trotz Schmerzen schaffte er es zum Shelter und wird sofort von allen verarztet. Wir hoffen alle das Beste für ihn. Ich bin echt zwiegespalten. Eigentlich könnte ich noch weitergehen, fühle mich gut. Der Rest Bande mag aber nimmer. Diese Leute, welche vor einer Woche noch Fremde waren, sind mir ans Herz gewachsen. Also bleibe ich bei ihnen. Es wird rege übers Essen diskutiert. Mittlerweile sind wir alle hungrig. Pizza, Burger, Süsses, Bier hmmmmmmm da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Wenn wir in die Stadt kommen, muss ich unbedingt mehr Süsses kaufen. Kalorien? Hauptsache viel. Bestimmt habe ich schon Gewicht verloren. Der Tag war sonnig und warm, so auch sinkte die Temperatur in der nicht nicht unter 20 Grad. Viel zu warm für mein Schlafsack. Schweissgebadet wache ich auf und entschliesse mich, auf der Bank vor dem Shelter zu schlafen. Da ist es ein bisschen kühler als wenn man dicht an dicht schläft.

Tag 9

5:00 wachen wir auf und gehen schon bald los. Es sieht nach Regen aus. Squeegis Fuss ist blau, aber er meint gehen zu können. Erst geht es leicht bergab. Ohne die Wurzeln welche überall sind, könnten wir sogar rennen. Unten am Fluss ziehen wir unsere Schuhe aus um den 20m breiten und max 50cm tiefen Fluss zu überqueren. Keine Ausrutscher.


 Leider ist unser schöner Pfad hier auch zuende. Gipfelaufstieg beginnt wieder. Das Schwitzen geht sofort wieder los. Lange laufen wir über Steine und müssten sogar einem Steinrutsch hochklettern. Wieso muss ich bloss solche bekloppten Ideen haben? Kann ich nicht einfach ein Film zu diesem Pfad vom Sofa aus schauen? 


Und wieder entschädigt die Aussicht alle Mühen. Traumhaft die Natur um uns herum. Wir scherzen noch, dass es bestimmt losregnet wenn wir den Shelter erreichen. Genau so ist es. Buc und ich kommen trocken an, die anderen haben weniger Glück. Tropfnass erreichen auch sie den Unterschlupf. Langsam treffen noch andere ein. Wir sitzen alle im Shelter und lauschen dem Regen und dem Donner. So geht es bis tief in die Nacht. Der Regen prasselt auf das Metalldach und so schlafen wir ein. 
Früh morgens wache ich wegen einen Geräusch auf. Eine Maus macht sich an meiner Jacke zu schaffen. Oh boy, nun hab ich ca 5 kleine Löcher in meiner schönen Jacke. Das Mausproblem wird wahrscheinlich noch viel schlimmer werden. Von nun an, müssen wir unsere Sachen besser wegpacken.

Tag 10

Da wir bald in der Stadt Monson sind, geben wir nochmals alles.  25.5km über drei Gipfel und kleinere Hügel dazu noch drei Fluss/Bachquerungen.  Längster Tag seit dem Start. Ich laufe die meiste Zeit alleine. Geniesse die Zeit für mich. Der Pfad ist teilweise extrem steil und hart. 

Ich komme an einem alten Turm vorbei und muss natürlich hochklettern. Die Aussicht ist atemberaubend. 


Wunderschöne Seen und man erkennt schon vereinzelt Häuser. Sogar der Handyempfang wird besser.
Buc hinterlässt uns beim nächsten Shelter eine Nachricht. Er wandert heute 46km um in die Stadt zu kommen. Irgendwas zieht ihn dahin. Wahnsinn!! Lieber ein Tag später ankommen, dafür nicht am ganzen Körper Schmerzen haben. Damit will ich nicht sagen, das wir Abends keine Wunden zum lecken haben. Mir schmerzen am meisten die Füsse. 

Auf dem Trail treffen wir auf Scrunchy. Ein Mädel welches von ihrem Vater begleitet wird. Sie hat eben ihr Studium abgeschlossen und ihr Vater läuft die ersten 200km mit ihr. Scheint als hätten wir Buc verloren dafür Scrunchy dazu gewonnen. Bei der ersten Flussquerung reicht das Wasser bis zu den Knien. Ich nutze die Gelegenheit und nehme gleich noch ein Bad. Danach strotze ich nur so vor Energie. Die restlichen 8km fliege ich fast über den Trail. Hikerhigh nennt man das. Die Anderen lasse ich weit hinter mir. Am Shelter habe ich schon mein Nachtlager eingerichtet und Feuer gemacht bevor der Rest eintrifft. Es ist schon 19:00 und jeder köchelt sich sein Essen und bald schon legen wir uns schlafen.


Tag 11

Monson ruft. In nur 16km Entfernung liegt die Zivilisation. Auf auf. Einfacher gesagt als getan. Es ist feucht und heiss. Dazu müssen viele viele Hügel rauf und wieder runter gekraxelt werden. Sehr mühsam und kraftraubend. Gleich zwei Bieberdämme stellen sich uns in den Weg.


Ansonsten ist es wunderschön hier.



Da Monson nicht direkt am Weg liegt, hoffen wir auf einen netten Autofahrer, welcher uns dahin mitnimmt. Nach 5Minuten hält eine nette Dame an und nimmt uns stinkende Hiker mit. In der Stadt gehen wir ins Hostel Shawns. Gleich zu beginn werden wir mit einer kalten Dose Cola begrüsst. Super Empfang! Duschen, Wäsche waschen und dann endlich Essen gehen. Jaaa


Noch nie schmeckte mir das Corona Bier so gut. Hammer Truppe, alle zusammen. . Ich gehe jetzt den Zivilisationsluxus geniessen, bevor es wieder in die Wälder geht.